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Herbizidresistente Unkräuter müssen nicht sein!

Herbizidresistenzen sind ein Anpassungsprozess der Pflanzen, der nicht gänzlich aufzuhalten oder umkehrbar ist, solange Herbizide zum Einsatz kommen. Gleichzeitig hält aber jeder Landwirt den Schlüssel in eigenen Händen um diese Entwicklung zu steuern. Zum richtigen Einsatz von Herbiziden gehört auch die regelmäßige Überwachung der Pflanzenschutzmaßnahmen durch Anlage und Auswertung von Spritzfenstern. Spritzfenster sind damit der erste Schritt im Anti-Resistenzmanagement!

Herbizidresistenzen sind latent weit verbreitet. Wahrgenommen werden Resistenzen im Acker leider erst wenn sie weit fortgeschritten sind. Daher wenden Sie sich rechtzeitig an uns. Wir prüfen jede Form von Resistenz in allen Unkrautarten. Wer Spritzfenster anlegt, der sammelt am besten die Samen vor der Ernte ab oder beauftragt uns. Und haben Sie keine Angst vor dem Aussamen der Pflanzen in den Spritzfenster. Eine Resistenzgefahr besteht normalerweise nicht. Eher trifft das Gegenteil zu. Sensitive Pflanzen puffern die Ausbreitung von Resistenzen ab. Wer rechtzeitig weiß was los ist kann die Flächenproduktivität erhalten und sich viel Arbeit und Ärger ersparen!

Ein frühzeitiges Gegensteuern ist immer möglich! Landwirte müssen sich dazu aber Wissen aneignen, um langfristig eigenbestimmt handeln zu können. Daher nehmen Sie sich die Zeit ein paar Fakten über Herbizide, ihre Wirkorte und die Resistenzmechanismen der Unkräuter zu verinnerlichen:

Es ist für den Anwender von Herbiziden enorm wichtig die Wirkorte der Herbizide (HRAC-Gruppierung, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Herbicide_Resistance_Action_Committee oder http://weedscience.com/Summary/SOASummary.aspx), die Mechanismen der Resistenz in den Unkräutern und die Kreuzresistenz zu verstehen. Nur so kann er der Selektion von Resistenzen entgegensteuern und sich vor bösen Überraschungen schützen („Warum wirkt ein Produkt nicht, dass hier nie zum Einsatz kam?“).

Für die Bekämpfung der Ungräser im Nachauflauf ist es wichtig die Wirkstoffe der Gruppe HRAC A und HRAC B ganz klar auseinanderhalten zu können! Die HRAC-Kennzeichnung findet sich auch auf den Produkten. Wenn wir die Herbizide nach HRAC A und B auseinanderhalten können, dann müssen wir uns im nächsten Schritt die Resistenzmechanismen in den Ungräsern verinnerlichen. Erst wenn wir beides (Wirkorte und Resistenzmechanismen) einander richtig zuordnen können, lässt sich nachvollziehen wie die Resistenzetablierung im Bestand aufgehalten werden kann.

Wir unterscheiden zwei Typen von Resistenzmechanismen:

– Schnelle Entgiftung (metabolische Resistenz, NTSR oder nontarget-site resistance). Die Pflanzen entgiften (entsorgen) das Molekül bevor es wirken kann. Der empfindliche Wirkort kriegt nur wenig ab.

– Wirkortresistenz (TSR, target-site resistance, der Wirkort ist verändert). Das Gift kann seine Wirkung nicht entfallten. Daher kein oder nur leichter Schaden der Pflanze.

Oft kann ein Mechanismus eine Resistenz gegen mehrere Wirkstoffe vermitteln. Man bezeichnet das als Kreuzresistenz. Die Stärke hängt von der individuellen Kombination aus Mechanismus und Wirkstoff ab (siehe Tabelle unten).

Aus der Tabelle wird klar: Während eine Wirkortresistenz (TSR) immer nur spezifisch für den einen Wirkort (HRAC- Gruppe) ist und Kreuzresistenzen immer nur Wirkstoffe aus der jeweiligen Gruppe betreffen können, kann eine metabolische Resistenz (NTSR) HRAC-Gruppen übergreifend wirken und Kreuzresistenzen können Wirkstoffe verschiedener Wirkorte treffen.

Ob eine Resistenz vorhanden ist und welche Mechanismen im Falle einer Resistenz greifen kann der Praktiker im Feld nicht sehen. Dafür braucht es eine Diagnose. Alles andere sind Mutmaßungen, die zu einem nachhaltig falschen Einsatz von Herbiziden führen können. PlantaLyt ist spezialisiert auf Resistenzdiagnostik und hilft Ihnen! Schauen Sie sich unsere Dienstleistungen an (http://www.plantalyt.de/ueberblick-dienstleistungen/) oder kontaktieren Sie uns!

Erklärung zur Tabelle: Dargestellt sind die häufigsten Resistenzmechanismen (ganz links, die häufigsten Wirkortresistenzen gegen die jeweilgen Gruppen HRAC A und B und die unspezifische NTSR) und bekannte getreideselektive und nicht-getreideselektive Wirkstoffe zur Ackerfuchsschwanz-Bekämpfung. Keine Selektion (grüne Farbe) bedeutet, dass der Mechanismus gegen diesen Wirkstoff keine Resistenz vermittelt (z.B. bei direkter Bekämpfung von Resistenzen zu beachten) und nicht selektiert wird (was zu berücksichtigen ist bei langfristigen Strategien zur Resistenzvermeidung). Eine mittlere bis starke Selektion (gelb bis rot) gibt an, dass der Mechanismus mit dem Wirkstoff unterschiedlich stark selektiert wird. Ein geschicktes Abwechseln der Wirkstoffe bzw. eine günstige Gestaltung der Fruchtfolge reicht aus um die Mechanismen der Resistenz zu unterdrücken.

Was bedeutet das für den Praktiker?
Wenn Sie keine Resistenz haben, dann müssen Sie die Wirkstoffe so abwechselnd einsetzen, dass sie keine Resistenzen selektieren. Dazu müssen Sie die HRAC-Gruppen systematisch wechseln. Außerdem sollten Sie Ihre Herbizidmaßnahmen durch die Anlage von Spritzfenster absichern. Wir legen Ihnen nahe in regelmäßigen Abständen eine Analyse auf mögliche Resistenzen durchführen zu lassen. So sind sie auf der sicheren Seite, dass sie keine Resistenzen züchten.

Konkret heißt das für Betriebe ohne Resistenzverdacht: der Landwirt muss in einer Fruchtfolge von WW-WW-WR die Wirkstoffe so alternieren, dass er die Gräserbekämpfung im ersten Jahr in WW mit einem Wirkstoff aus der Gruppe HRAC A durchführt und im Folge-WW mit HRAC B. Die Gräserbekämpfung in WR führt er mit HRAC A, aber den DIMs durch, denn die unterdrücken die entstehenden metabolischen Resistenzen durch die getreideselektiven Wirkstoffe. Zusätzlich setzt er das Propyzamid (HRAC K1) zum Jahresende im Raps.

Die gute fachliche Praxis aber darf bei all dem nicht zu kurz kommen und Herbizide müssen durch integrierbare nicht-chemischen Maßnahmen entlastet werden!

Wenn Sie bereits Resistenz haben, dann müssen Sie den Resistenzmechanismus kennen! Haben Sie eine TSR HRAC A oder B, oder eine NTSR? Dafür können wir für Sie ein Resistenzprofil erstellen und mittels molekulargenetischer Diagnostik die Mechanismen identifizieren. Daraus lassen sich die Maßnahmen mit den noch effektivsten Wirkstoffen ableiten.

Die Gestaltungsfreiheit erhalten!

Das Vertrauen auf die Herbizide und den Glauben, dass es in Zukunft immer neue Mittel geben wird müssen wir aufgeben. Der Landwirt muss sich genügend Zeit nehmen für die Planung und Durchführung der Unkrautbekämpfung und die Gestaltung seines gesamten Anbausystems. Es ist notwendig sich vor jeder Herbizidmaßnahme über die Wirkstoffe (HRAC-Gruppierung) und die Resistenzmechanismen (TSR, NTSR) zu informieren und Gedanken zu machen. Das hört sich kompliziert an, ist aber essentiell, um seinen Anbau eigenbestimmt im Griff zu haben.

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